01. September 2005 00:00

"Wir sind eine Welt" – das LG bei der DEZA in Bern

Ausstellung von BG-Arbeiten am Hauptsitz der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit / DEZA in Bern

75 Schülerinnen und Schüler des Literargymnasiums haben während des Schuljahres 2004/05 im Fach Bildnerisches Gestalten unter Anleitung ihres BG-Lehrers, Herrn Urs Knoblauch, Arbeiten zum Thema "Wir sind eine Welt" geschaffen. Ausgangspunkt für die Zeichnungen und Linoldrucke waren Photographien von Menschen, welche die Schüler in verschiedenen Nummern der DEZA-Zeitschrift "Eine Welt" fanden und welche sie künstlerisch zu bearbeiten hatten.
Durch die gestalterische Auseinandersetzung mit dem Motiv der grenzüberschreitenden Solidarität sollte das Bewusstsein der Schüler für die von der Schweiz geleistete humanitäre Hilfe geschärft werden. Die Arbeit an diesem Thema vermochte gleichzeitig die Einsicht der Jugendlichen zu stärken, dass die Schweizer Bevölkerung gut daran tut, sich angesichts der globalen Interdependenz weiterhin für das Wohlergehen aller Weltregionen einzusetzen und sich für deren Probleme und Aufgabenstellungen mitverantwortlich zu fühlen.
Dank der freundlichen Unterstützung durch die Bundesbehörden und insbesondere durch die Direktion der DEZA konnten die erwähnten Bilder im September 2005 am Hauptsitz der DEZA in Bern ausgestellt werden. Mit einer schön gestalteten Vernissage wurde die Ausstellung am 6. September 2005 im Lichthof der DEZA in Anwesenheit aller beteiligten Schülerinnen und Schüler sowie von weiteren Gästen feierlich eröffnet. Der Direktor der DEZA, Herr Botschafter Walter Fust, Herr Urs Knoblauch als verantwortlicher BG-Lehrer und Gestalter der Ausstellung sowie Prorektor Huldrych Thomann hielten Ansprachen; für die musikalische Umrahmung sorgten Sayaka Studer (Cello) mit Christoph Irniger (Klavier), Julien-Florian Chatagny (Violine) sowie - am Klavier begleitet von Hans Meierhofer - Claire von Ziegler (Sopran).
Dank einer grosszügigen Spende durch den Verein der Ehemaligen des Literargymnasiums (VEGL) war es möglich, mit allen an den Bildern beteiligten Schülerinnen und Schülern nach Bern zu fahren und ihnen ausserdem auf dem Weg einen wohlverdienten "Zvieri" zu spendieren.

«Eine Welt» in Bildern

Zur Ausstellung der Farblinoldrucke und Zeichnungen von Schülerinnen und Schülern des Literargymnasiums Rämibühl Zürich im Lichthof der DEZA in Bern (6. bis 30. September 2005).

Die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) gibt seit Jahren die hervorragende Zeitschrift "Eine Welt" über ihre Tätigkeit heraus. Die kostenlos erhältlichen Zeitschriften bilden gerade für Schulen eine Fundgrube an interessanten Artikeln und ausgezeichneten Fotografien zu Themen aus aller Welt. Damit kann bei der Lehrer- und Schülerschaft der heute immer wichtiger werdende interkulturelle "Blick in die Welt" gefördert werden. Dabei wird auch die wertvolle humanitäre Tradition der Schweiz mit ihrem wissenschaftlichen und sozialen Engagement gut sichtbar. Es wird auch deutlich, wie wichtig dieser Beitrag der Schweiz ist, gerade in einer Zeit, in der sich immer mehr Menschen in der Welt in grosser Not befinden. Das DEZA leistet einen wichtigen Beitrag dazu, dass „Frauen, Männer und Kinder in Frieden, Freiheit, Sicherheit, Gerechtigkeit und Wohlergehen leben können“.

"Eine Welt" als Ausgangspunkt des Projekts

Diese sehr schön gestalteten Zeitschriften "Eine Welt" waren im Schuljahr 2004/05 Ausgangspunkt unseres Projektes "Wir sind eine Welt" im Fach Zeichnen/Bildnerisches Gestalten. Beim Studium der verschiedenen Zeitschriften waren alle von den ansprechenden Fotografien und informativen Texten über die mitmenschliche Solidarität und Hilfeleistung beeindruckt. Die Schülerinnen und Schüler fanden einen guten Zugang zu den einzelnen Themen. Jedes Heft ist einem oder mehreren Schwerpunkten gewidmet, alle Beiträge dokumentieren die vorbildliche Entwicklungsarbeit der Schweiz, sie zeigen Wege auf, wie die dringenden Weltprobleme zu lösen sind. Die grossartigen Aufnahmen von Menschen aus aller Welt führten uns vor Augen, dass wir alle eine Welt, eine Familie sind. So war das Motiv "Menschen" für unsere geplanten Linolschnitte bald festgelegt.
75 Schülerinnen und Schüler aus verschiedenen 2., 3. und 4. Klassen beschäftigten sich im Zeichenunterricht inhaltlich mit einem selbst gewählten Artikel, schrieben kurze Zusammenfassungen und gestalteten nach einem Foto einen Farblinoldruck oder eine Zeichnung. Die Arbeiten wurden so erfreulich, dass die Idee zu einer Ausstellung in Zusammenarbeit mit der DEZA aufkam. Eine grosse Freude war es, dass Frau Bundesrätin Micheline Calmy-Rey, Herr Direktor Walter Fust von der DEZA und die Schulleitung des Literargymnasiums das Ausstellungsprojekt unterstützten.

DEZA: Vorbildliche Entwicklungszusammenarbeit

Die Herausgeberin der Zeitschrift ist die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA). Diese ist Teil des Eidgenössischen Departementes für auswärtige Angelegenheiten (EDA), „ihr Auftrag leitet sich vom Bundesgesetz über die internationale Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe vom 19.3.1976 und vom Bundesbeschluss vom 24.3.1995 über die Zusammenarbeit mit den Staaten Osteuropas ab.“  Um eine grösstmögliche Wirkung und Ausstrahlung zu erreichen, konzentriert sich die DEZA auf eine beschränkte Anzahl von Ländern und legt ihr Hauptgewicht auf die langfristige, nachhaltige Entwicklungsarbeit. Humanitäre Hilfe und Katastrophenhilfe werden jedoch weltweit geleistet. Auch zukünftige Generationen sollen über ausreichende Ressourcen für ihre Entwicklung verfügen. Mehr als eine Milliarde  Menschen leiden unter grosser Not und Entbehrung. Das weltweite Bewusstsein über unsere gegenseitige Abhängigkeit und Verantwortung kann eine Verbesserung bewirken. Die Schweiz hat mit ihrer jahrzehntelangen Erfahrung in Entwicklungshilfe, in ihrer vorbildlichen humanitären Tätigkeit im Rahmen des Internationalen Roten Kreuzes, mit der erfolgreichen Diplomatie als neutrales Land und mit vielfältigen konkreten Hilfeleistungen viel zur Völkerverständigung  und zum Frieden beigetragen. Botschafter Walter Fust, Direktor der DEZA und angesehener Fachmann bei der UNO, betont die Wichtigkeit der Zusammenarbeit der verschiedenen Hilfsorganisationen: „Wenn alle am gleichen Strick ziehen“, werden die dringend nötigen Kräfte und Mittel auch richtig eingesetzt.

Zum Anliegen der DEZA: "Kompetente Hilfe zur Selbsthilfe"

Alle Projekte der DEZA sind „auf die Hilfe zur Selbsthilfe“ ausgerichtet. Dies bedeutet, dass die zur Verfügung gestellten Gelder und die fachliche Hilfeleistung höchst nutzbringend verwendet werden. Frauen und Männer leisten als Wissenschaftler, Entwicklungshelfer an Ort oder als Berater eines Projektes immer Hilfe. Sie realisieren und betreuen mit den betroffenen notleidenden Menschen in aller Welt und den dortigen Fachleuten gemeinsam sinnvolle Projekte. So wurde beispielsweise in den bisher erschienen Zeitschriften über Projekte in verschiedenen Ländern in Zentralamerika, über den Balkan und viele Länder Osteuropas, über die Erweiterung der EU, über Länder Südostasiens, über Afrika oder über Bergregionen berichtet. Wichtige Grundsatzfragen - wie „Sicherheit durch Entwicklung als Armutsbekämpfung“ oder Fragen zur Informationsgesellschaft und dem Nutzen der elektronischen Vernetzung auch für die Ärmsten - und Beiträge über die „Schuldenfalle“, welche die Zusammenhänge mit der Entschuldungs-Problematik der armen Länder, der Weltbank und dem Internationalen Währungsfond beinhalten, wurden thematisiert.
Die März-Nummer 2000 war beispielsweise dem Thema „Wasser“ gewidmet. Entwicklungsprojekte vom Bau des Dorfbrunnens bis zum modernen globalen Wassermanagement wurden dargestellt und es wurde deutlich, dass oft einfachste Hilfestellungen schon einen grossen Segen darstellen: „Eine ganz gewöhnliche Petflasche, transparent, zur Hälfte schwarz eingefärbt, mit Wasser gefüllt. Innert kurzer Zeit heizt die Sonne den Flascheninhalt auf über 50 Grad Celsius auf - bei Sonneneinstrahlung werden praktisch alle gefährlichen Krankheitskeime wie zum Beispiel Colibakterien oder der Choleraerreger (Vibro cholerae) abgetötet. Mit dieser Methode können sich Menschen im Süden ohne Brennholz oder Kerosen auf einfache Art und Weise sauberes Trinkwasser aufbereiten.“ Auch in europäischen Ländern wird das Wasser zunehmend zu einem sozialpolitischen Problem. Immer mehr öffentliche Dienstleistungen, so auch die Grundversorgung mit dem Wasser, sollen "liberalisiert", kommerzialisiert und privatisiert werden. Schon der damalige Generalsekretär der UNO, Boutros Boutros-Ghali warnte 1991 vor der „Kriegsgefahr Wasser“: „Der nächste Krieg im Nahen Osten wird nicht aus politischen Gründen geführt, sondern um Wasser.“ Zu einer offenen Diskussion, sachlichen Informationen und friedlichen Konfliktlösungen können gerade die Artikel der Zeitschrift "Eine Welt" beitragen.

Das DEZA-Projekt und das Literargymnasium Rämibühl

Die Ausstellung "Eine Welt in Bildern" steht mit früheren Themenstellungen und Ausstellungen im Zeichenunterricht im Zusammenhang. In guter Erinnerung sind frühere Bilderausstellungen: Das Literargymnasium Rämibühl konnte 1999 am Sitz des UNO-Hochkommissariates für Menschenrechte im Palais Wilson in Genf zum 50-Jahr-Jubiläum der UNO-Menschenrechtskonvention bereits Schülerarbeiten aus dem Zeichenunterricht zum Thema der Menschenrechte und zur weltberühmten Fotoausstellung "The Family of Man" von 1955 ausstellen. Ebenso konnten die Bilder-Ausstellung zum "UNO-Jahr der Berge" (2002) oder die grosse Ausstellung "Humanität und Frieden" (2003) über das Wirken des IKRK (anlässlich des Irak-Krieges) sowie die Ausstellung über das "UNESCO-Weltkultur- und Naturerbe" mit einer Zusatzausstellung über die Zerstörung der Stadt Sarajewo (2004) öffentlich in unserem Schulhaus-Foyer gezeigt werden.

Dank und hoffnungsvoller Ausblick

Bedanken möchte ich mich bei Frau Bundesrätin Micheline Calmy-Rey, bei Herrn Direktor Walter Fust und Frau Zeyno Altindal von der DEZA für die Möglichkeit und die Realisierung dieser Ausstellung mit der schönen Einladungskarte. Dank gebührt natürlich den Schülerinnen und Schülern; ihre kleinen Kunstwerke kommen hier besonders zur Geltung. Eine Freude war auch die gute Zusammenarbeit mit meiner Schulleitung, insbesondere mit Herrn Prorektor Huldrych Thomann, der das Projekt und die festliche Vernissage mit allen beteiligten Schülerinnen und Schülern, mit musikalischer Umrahmung und Mitwirkung unseres Musiklehrers Herrn Hans Meierhofer, ermöglichte. Ebenso sei hier dem VEGL (Verein der Ehemaligen Gymnasiastinnen und Gymnasiasten des Literargymnasiums) für den willlkommenen Sponsorenbeitrag herzlich gedankt. Solche Anlässe werden sicher allen später im Leben in bester Erinnerung bleiben; sie sind auch Ausdruck einer guten und lebendigen Schulkultur.
Für Schulen auf allen Stufen ist die Zeitschrift „Eine Welt“ nur zu empfehlen. Sie ist eine Goldgrube für den Unterricht in zahlreichen Fächern, für Projekte, welche bei den Schülerinnen und Schüler das interkulturelle Wissen fördern. Ebenso wird die Solidarität, das Mitleben mit den Freuden und Leiden in der Welt nachhaltig gefördert. Denn bald werden unsere Schüler ihrerseits als Bürgerinnen und Bürger beziehungsweise als Wissenschaftler oder als politische und wirtschaftliche Entscheidungsträger mitbestimmen müssen, wie die Volkswirtschaft und das Zusammenleben bei uns und in der ganzen Welt gestaltet werden sollen.
Die Beschäftigung mit der hier vorgestellten Zeitschrift kann Jugendlichen auch zu einer Hilfe in der Wahl des Berufs und der Sinnfindung im Leben werden. Naturwissenschaftliche, kulturelle, sprachliche und soziale Fähigkeiten können immer auch in den Dienst der Völkerverständigung, der gegenseitigen Hilfe und des Friedens gestellt werden. So wird die wertvollste Substanz, welche die Schweiz besitzt, gefördert und erhalten!

Für die Fachschaft Bildnerische Gestaltung: Urs Knoblauch