«In diesem Sommer verliebte ich mich, und meine Mutter starb.» Mit diesem ersten Satz deckt Benedict Wells gleich die ganze emotionale Bandbreite ab, die sich durch seinen Coming-of-Age-Roman «Hard Land» zieht. Und passend zur Geschichte, die in der fiktiven Kleinstatt «Grady, Missouri» in den USA der 80er-Jahre angesiedelt ist, spielt die Musik hier eine Hauptrolle: Bruce Springsteen, Madonna oder Billy Idol begleiten den jugendlichen Sam und seine neuen Freunde Kirstie, Cameron und Hightower gleichermassen durch diesen Sommer wie die Soundtracks grosser Kinofilme. Das lokale Kino Metropolis bietet dabei neben einem Ferienjob Raum für gemeinsame Filmabende, Mutproben, Annährungsversuche und Trauerbewältigung. Und über allem schwebt dieses einmalige Gefühl der Jugend, dass sich irgendwo zwischen Euphorie und Melancholie ansiedelt und für das Kirstie daher das einzig passende Wort erfindet: Euphancholie.
Bereits beim erstmaligen Lesen im Jahr 2021 dachte ich daran, dass sich dieser Stoff für eine Form von Musiktheater eignen könnte. Bekräftigt wurde ich etwas später durch den Autor selbst, der eine ganze kuratierte Playlist von Songs erstellte, die ihn zur Geschichte von «Hard Land» inspirierten oder die er direkt in die Geschichte eingewoben hatte. Umso erstaunter war ich, dass es bis zu unserem effektiven Planungsbeginn im Frühling 2024 noch keine geplante Aufführung von «Hard Land» als Musical oder Musiktheater gab. Und als uns Benedict Wells und der Diogenes Verlag uns als Schule unkompliziert und sehr grosszügig die Aufführungsrechte für das Werk erteilten, stand dem Entscheid, «Hard Land» an unserer Schule aufzuführen, nichts mehr im Weg.
Die schwierigste inhaltliche Frage, die uns beim Schreiben der Theaterfassung stark herumtrieb, war der Umgang mit dem Thema des Todes der Mutter: Wie gelingt es, ein so erschütterndes Ereignis mit der nötigen Ernsthaftigkeit zu erzählen, während parallel getanzt, gefeiert und von ersten Jugendpartys erzählt wird? Kann das gut gehen? Erst mit Beginn der Probephase zeigte sich, dass es richtig war, den Schüler*innen diesen anspruchsvollen Stoff zuzumuten. Ihre Motivation, gerade diesen Spagat zwischen Schwere und Leichtigkeit zu schaffen und die notwendige Vielfalt an Emotionen darzustellen, beeindruckte mich bei jedem Einblick in die Proben aufs Neue.
Und nun, kurz vor der Premiere, kommt auch etwas Wehmut auf. Sechs grosse Rämi-Musicals gab es in den letzten gut 20 Jahren, bei vieren davon hatte ich das Glück mitzuwirken. Auch wenn wir in Zukunft weiterhin grössere Musikprojekte planen werden, ist unser jetziges siebtes Musical das letzte in dieser Form, bei der wir auf die gemeinsamen Formationen von LG und RG wie Chor, Bigband, Tanz- und Schauspielgruppe zählen können.
Umso mehr freut es mich, dass wir zum Schluss nochmals mit der ganz grossen Kelle anrichten können, um mit der Rekordzahl von fast 150 begeisternden Teilnehmenden ein musikalisches Abschlussfeuerwerk zu zünden!
von Andreas Forster
Ort: Aula Rämibühl
Preise: Erwachsene Fr. 26.- , Schüler:innen/Studierende (Legi) Fr. 16.-
Klassentickets mit Vergünstigungen: andreas.forster@rgzh.ch
Aufführungen
Freitag, 28.08.2026, 19:00
Samstag, 29.08.2026, 19:00
Sonntag, 30.08.2026, 17:00
Mittwoch, 02.09.2026, 19:00
Donnerstag, 03.09.2026, 19:00
Freitag, 04.09.2026, 19:00
Leitung
Andreas Forster, Marcel Wattenhofer, Nicole Breitenmoser, Marie Skret, Evelyn Roth, Demian Gander, Christa Fleischmann, Olivia Gyger, Rachel Tinguely, Elfi Schäfer-Schafroth, Götz Dihlmann, Raphael Lapouille, Fabian Fuhrimann, EXA Light & Sound GmbH
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