Geschichte begegnet uns im Schulzimmer oft in Form von Texten, Bildern und Jahreszahlen. Auf der VEGL-Geschichtsexkursion ins Elsass wurde sie für die Schülerinnen und Schüler der Klassen 5b und 5d, begleitet von M. Scheller, K. Peter, A. Lambrigger und L. Wüstiner, jedoch ganz konkret erfahrbar: in engen Schützengräben, in dunklen Bunkern, in der bedrückenden Stille eines ehemaligen Konzentrationslagers und in Strasbourg, wo europäische Zusammenarbeit als Antwort auf Krieg und Zerstörung sichtbar wird.
Mit finanzieller Unterstützung des Ehemaligenvereins VEGL führte die zweitägige Exkursion zu drei Orten, die als wichtige Stationen durch das 20. Jahrhundert gelesen werden können: zum Hartmannswillerkopf als Schauplatz des Ersten Weltkriegs, zum ehemaligen Konzentrationslager Struthof-Natzwiller als Erinnerungsort des Zweiten Weltkriegs und nach Strasbourg zu den europäischen Institutionen als Symbol der Nachkriegszeit und des europäischen Friedensprojekts.
Auf dem Hartmannswillerkopf erkundeten die Schülerinnen und Schüler am ersten Tag selbstständig das Gelände. Zwischen Schützengräben, Bunkern und strategischen Stellungen wurde sichtbar, wie nah sich die Fronten einst gegenüberlagen und wie körperlich erfahrbar Krieg an einem solchen Ort wird.
Noch stärker wirkte auf viele der Besuch des ehemaligen Konzentrationslagers Struthof-Natzwiller am zweiten Tag. Die erhaltenen bzw. rekonstruierten Baracken, die steilen Treppen, der Kremationsofen und die Geschichten der Häftlinge lösten grosse Betroffenheit aus. Viele Schülerinnen und Schüler beschrieben diesen Teil der Exkursion als emotional, schwer verdaulich und zugleich wichtig.
Gerade diese Spannung zwischen Lernen, Betroffenheit und persönlicher Auseinandersetzung machte die Exkursion so wertvoll. „Ich fand den Besuch im KZ sehr wichtig und finde auch, dass es unbedingt notwendig ist, dieses grausame Thema in der Schule zu behandeln und dafür zu sorgen, dass die Vergangenheit nicht in Vergessenheit gerät“, schrieb jemand im Feedback. Ein anderes Statement formulierte die zentrale Erkenntnis so: „Man erkennt, wie wichtig es ist, dass solch ein Ereignis nie wieder vorkommen darf.“
In Strasbourg, wo wir den Abend verbrachten und übernachteten, sollte der Blick auf die Zeit nach 1945 gelenkt werden. Nach den Erfahrungen zweier Weltkriege ging es dort um die Frage, wie Zusammenarbeit, Demokratie und Frieden in Europa aufgebaut und geschützt werden können. Die europäischen Institutionen machten sichtbar, dass Europa nicht einfach eine politische Struktur ist, sondern auch eine Antwort auf die Katastrophen des 20. Jahrhunderts. Diese Erkenntnis konnten hoffentlich alle mitnehmen, auch wenn eine Besichtigung des Europarats oder des Europaparlaments aus organisatorischen Gründen leider nicht möglich war und die stattdessen absolvierte Schnitzeljagd zu den europäischen Institutionen in der brütenden Hitze kaum zu begeistern vermochte.
Neben den historischen Eindrücken blieb auch die gemeinsame Zeit als Klasse in Erinnerung. Mehrere Rückmeldungen erwähnten die schönen Momente mit den Klassenkameradinnen und -kameraden in Strasbourg, die Fahrt, das gemeinsame Unterwegssein und die Mischung aus Ernsthaftigkeit und Gemeinschaft. Jemand fasste die zwei Tage so zusammen: „Unsere Exkursion ins Elsass war brillant. Sie hatte zwei ganz unterschiedliche Seiten, die sich perfekt ergänzten: die geschichtlichen Besichtigungen, welche sehr emotional waren, und den touristischen, lustigen Teil in Strasbourg.“ Ein anderes Statement fasste den Charakter der Exkursion so zusammen: „Es war eine Exkursion, die alles hatte: Freude und Tränen. Es war schwere Kost, aber unmöglich, diese Exkursion zu verpassen.“
Wir danken dem Ehemaligenverein herzlich für die finanzielle Unterstützung. Sie hat es ermöglicht, Geschichte nicht nur zu besprechen, sondern an Orten zu erleben, an denen sie bis heute spürbar ist.
Kerstin Peter, für das Leitungsteam und die Klassen 5b/5d


