Zwischen Pflanzenjagd, Wasserfällen und Werwölfen

Die 3b erobert Mürren

Fünf Tage, ein Seilbahnbergdorf, 430 Einwohner, ziemlich viele Höhenmeter und eine Klasse, die am Ende mehr über Mürren wusste als die meisten Touristen: Die Arbeitswoche der 3b stand unter dem Motto „Mürren: Mensch und Umwelt“. 

Datum 28.9.-2.10.2026, Begleitung L. Leumann und J. Landolt
 



Schon am Montagnachmittag zeigte sich, dass diese Woche keine gewöhnliche Arbeitswoche werden sollte. Kaum waren die Zimmer bezogen, ging es mit dem Foto-OL durch Mürren los. Das Dorf wurde zum Spielfeld, Orientierung war gefragt – und nebenbei lernte man schon einmal die wichtigsten Schauplätze der kommenden Tage kennen. Am Abend folgten Gesellschaftsspiele. Bald nach dem Jassen übernahmen die Werwölfe und besetzten den Gruppenraum. Doch noch ahnte niemand, wie oft Begriffe wie Volleyball, Turnhalle, Schlucht, Wandern, Fussball, Seilbahn oder Wasserfälle bis Freitag fallen würden.

Am Dienstag wurde aus der Klasse eine Gruppe von Feldbiologinnen und Feldbiologen. Die erste Challenge hiess „Jagd auf Pflanzen“. In kleinen Gruppen galt es, in Wiesen und Wäldern jeweils zehn Blumen, Sträucher und Bäume aufzuspüren, zu fotografieren und mit PlantNet zu bestimmen. Selbst interessante Zusatzinformationen zu den Arten gehörten zum Auftrag. Wer zwischendurch einen Vogel hörte, durfte sich mit Merlin Bird ID auch noch als Ornithologe versuchen. Danach ging es auf den Allmendhubel – und am Abend in die Turnhalle. Spätestens jetzt war klar: In dieser Woche wurden nicht nur Pflanzenfamilien bestimmt, sondern auch ziemlich viele Bälle bewegt.

Am Mittwoch rückten statt Pflanzen die Menschen in Mürren ins Zentrum. Ausgerüstet mit Fragebogen, Dorfplan und Schreibzeug – ausdrücklich ohne Handy – zogen die Gruppen los und befragten Touristen, Einheimische, Hotel- und Restaurantangestellte. Woher kommen die Gäste? Warum wählen sie Mürren? Wie wichtig ist der Tourismus? Und ist der Klimawandel in den Alpen bereits spürbar? Die Gespräche machten deutlich, dass Mürren nicht nur eine spektakuläre Bergkulisse ist, sondern ein Dorf, dessen Alltag eng mit dem Tourismus verbunden ist.

Und dann war da natürlich noch die Landschaft selbst. Allmendhubel, Gimmelwald, Stechelberg, Trümmelbachfälle, Staubbachfälle, Gletscher und Grindelwald: Die Woche entwickelte sich beinahe zu einer kleinen Tour durchs Berner Oberland. Am Donnerstag führte die Route bis nach Grindelwald in die eindrückliche Gletscherschlucht.  Vom Staubbachfall in Lauterbrunnen war bereits Goethe so angetan, dass er darüber den sinnlichen Gesang der Geister über den Wassern verfasste, das drei Schülerinnen vor Ort vortrugen. Nach dem langen Reisetag und rekordverdächtigen 11 Umsteigeaktionen wurde der Schlussabend gefeiert mit legendärem Völkerball und anschliessendem Roulette, Black Jack und Poker im hauseigenen Casino.

Wie viel in fünf Tagen zusammenkommt, zeigte sich erst am Freitag. Acht Kleingruppen versuchten, die Woche auf ganz unterschiedliche Weise festzuhalten. Die Rätselmacher bauten Erlebnisse in ein Kreuzworträtsel ein, die Kartografen zeichneten ihre persönliche Landkarte mit Bahnhof, Sporthalle, Coop, Allmendhubel und der „steilsten Seilbahn der Welt“. Die Zahlenjäger sammelten Einwohnerzahlen, Hotelbetten, Seilbahnen und andere Rekorde. Die Fotografen machten aus Schnappschüssen eine Chronik, während die Reporter aus den vielen Einzelereignissen die entscheidenden Momente herausfilterten. Und die Spielentwickler verwandelten Namen, Orte und Ereignisse der Woche gleich wieder in ein Tabu Spiel.

Vielleicht ist genau das die beste Bilanz dieser Arbeitswoche: Man kann Mürren in Zahlen beschreiben, Pflanzen bestimmen, Menschen interviewen, Wege auf Karten einzeichnen und Fotos beschriften. Aber am Ende besteht eine Arbeitswoche vor allem aus gemeinsamen Erinnerungen: aus einem Wasserfall, vor dem jemand ein Gedicht vorträgt, aus einem Fussballspiel nach der Ankunft, aus einer unerwarteten Antwort bei einem Interview, aus einem anstrengenden Weg, einem gemeinsamen Essen oder einem Abend in der Turnhalle.

Und falls im Jahr 2036 tatsächlich jemand fragt, „was ist von der legendären Arbeitswoche der 3b vor zehn Jahren in Erinnerung geblieben?“, dann dürfte die Antwort länger ausfallen als dieser Bericht.

Lorenz Leumann